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Erster Kernwert: Die Förderung von Leben auf seinen unterschiedlichen Ebenen ist, worum es geht.

Das Ziel dieses Blogs ist Leben in all seinen Facetten zu fördern. Das klingt wahrscheinlich zunächst einmal sehr abstrakt und wenig greifbar. Doch wenn wir ehrlich sind, ist die Frage was gutes Leben ausmacht, gar nicht so einfach zu beantworten. Meinem Körper kann es gut gehen, doch wenn es mir psychisch schlecht geht, kann das völlig nebensächlich sein. Vielleicht geht es mir in beiden Bereichen gut – körperlich und psychisch – und doch ist die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht beantwortet und es stellt sich eine innere Leere ein. Man würde dann vielleicht eher von einer spirituellen Krise sprechen. Wenn es eher äußere Faktoren sind, die meine Lebensqualität einschränken, würde man vielleicht eher von sozialen oder ökologischen Faktoren sprechen, die mein Leben limitieren.

Doch nicht selten kommt es vor, dass wir gar nicht genau bestimmen können, wodurch unser Leben gerade eingeschränkt wird. Dazu kommt, dass Probleme auf der einen Ebene Einschränkungen auf einer anderen verursachen können. Wenn es mir zum Beispiel körperlich sehr schlecht geht, passiert es leicht, dass sich dadurch auch mein psychischer Zustand verschlechtert. Lange Erklärung kurz zusammengefasst: Die Einteilung des Lebens in fünf Ebenen wie ich sie im ersten Kernwert formuliert habe, ist willkürlich und in der Praxis nicht immer auseinander zu halten. Und doch halte ich es für wichtig zu betonen, dass das Ziel des Blogs ist Leben in all seinen Facetten zu fördern. Denn zu leicht passiert es, dass wir nicht radikal ausgeglichen sind und versuchen unserem Leben dadurch Qualität zu geben in dem wir eine Dimension bevorzugen.

Das könnte folgendermassen aussehen:

Eindimensional-physisch: Meine Gesundheit ist das Wichtigste! Wenn ich nur darauf achte gesund zu leben und optisch gut zu wirken, ist mein Leben gelungen. Alles was ich habe sind die Millionen von Zellen, die meinen Körper bilden.

Eindimensional-psychisch: Denke positiv! Die Einstellung macht alles aus. Wenn das Glas immer halb voll ist, ist mein Leben ganz erfüllt. Die Kraft meines Geistes ist grenzenlos.

Eindimensional-spirituell: Wichtig ist nur, wo ich herkomme und hingehe. Wenn das erstmal bestimmt ist, ist das Leben hier nicht mehr so wichtig. Gott oder die guten Kräfte werden es schon richten.

Eindimensional-sozial: Alle Probleme des Lebens liegen in den ungesunden Beziehungsstrukturen zwischen den Menschen. Dominanz und Kontrolle der Herrschenden, Ausbeutung der Ärmsten und Rassismus erklären die Probleme unserer Welt.

Eindimensional-ökologisch: Dieser Ansatz begegnet mir eher selten. Vielleicht wird er im Zug der allgegenwärtigen ökologischen Debatte dieser Tage einmal auftauchen. Hier würden alle Probleme dadurch verschwinden, dass wir in Einklang und Frieden mit unserer Umwelt – sowohl der lebenden als auch der unbelebten – sind.

Was ist dein persönlicher Schwerpunkt? Und welchen Bereich hast du bislang vielleicht vernachlässigt?

Wenn die Lösung nur eindimensional betrachtet wird

Um die Thematik noch etwas deutlicher zu machen, möchte ich von einem Erlebnis erzählen, in der genau zwei dieser Ebenen aufeinander gestossen sind. Die Grundfrage ließ sich in etwa Folgendermaßen beschreiben:

Liegt die Lösung von offensichtlichen Problemen in unserer Gesellschaft an ungesunden sozialen und gesellschaftlichen Strukturen oder an unserer Einstellung? Man könnte das auch so formulieren: Sollten wir danach streben, dass die Schranke zwischen Arm und Reich kleiner wird, zum Beispiel durch politische Massnahmen? Sollten wir Minderheiten in besonderer Weise schützen und fördern? Oder sollten wir nicht eher an der Mentalität der Leute ansetzen? Sollten wir ihnen nicht eher helfen eine positive Einstellung zum Leben zu gewinnen, weil Gerechtigkeit auf struktureller Ebene nicht möglich ist?

Zwei Personen diskutierten diese Frage und jeder nahm einen der genannten Standpunkte ein. Schliesslich mischte ich mich ein und vertrat die Ansicht, dass wir Beides brauchen. Eine Veränderung der Mentalität und der sozialen Strukturen. Diesen Ansatz vertrete ich nicht einfach weil, es schön ist jedem ein Teilrecht zu zu gestehen. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass es tatsächlich beides braucht.

Wenn wir die beiden Standpunkte bis zum Ende verfolgen, erkennen wir dass sie für sich allein nicht die Lösung sein können.

Gerechtigkeit und Gleichheit sind auf struktureller Ebene allein nicht zu verwirklichen. Wenn ich zum Beispiel beschliesse in ein Land mit einer fremden Sprache auszuwandern, bin ich wenn man es genau betrachtet Teil einer Minderheit die nicht die Muttersprache des Landes spricht. Deswegen ist es trotzdem nicht vorstellbar, dass zum Beispiel offizielle Dokumente der Behörde in jeder Sprache, von der mindestens ein/e Auswanderer/in sie spricht, verfasst werden. Wenn man nun bedenkt, dass viele Menschen ihre Heimat nicht freiwillig verlassen, lässt sich schnell erkennen dass die Gleichstellung von Minderheiten nie ganz erreichbar ist, wenn man nicht gerade einen bürokratischen Monsterapparat schaffen möchte. Sehr hilfreich ist hier dagegen eine Mentalität schnell eine neue Sprache lernen und verstehen zu wollen.

Doch was ist mit dem anderen Lösungsansatz? Bringt es mehr, Menschen zu helfen, wie sie trotz all der Ungerechtigkeit gut damit umgehen können?

Für sich allein ist auch dieser Ansatz nicht ausreichend. Wenn wir dieses Argument weiter denken, dann bräuchten wir eigentlich kein Gesetz mehr. Sklaverei und Leibeigenschaft könnten wieder eingeführt werden, denn gerade die kraftvollen Spirituals der Schwarzafrikaner sind doch ein Beispiel dafür, wie selbst Sklaven und damit Menschen, die gesellschaftlich unterdrückt wurden eine positive, hoffnungsvolle Lebenseinstellung gewinnen können. (Ich hoffe, dass meine Ironie hinter diesen Worten erkennbar ist!) Menschen, denen Ungerechtigkeit von anderen widerfahren ist, müssten einfach nur die richtige Einstellung gewinnen, und könnten permanent in Zuständen von Ungerechtigkeit leben.

Der Absolutheitsanspruch beider Ansätze ist widersinnig.

Vielfältige Lösungsansätze statt eindimensionaler Erlösungsstrategie

Zu erkennen, dass Leben auf unterschiedlichen Ebenen existiert, hilft uns eindimensionale Ansätze zu vermeiden. Viele Missverständnisse entstehen oft dadurch, dass wir versuchen Leben zu fördern, indem wir unseren „Lieblingsansatz“ anwenden und dann feststellen, dass andere Menschen daran gar nicht interessiert sind, weil sie auf eine andere Dimension fokussiert sind. Ich denke es ist in Ordnung eine „Lieblingsdimension“ zu haben. Auch ich habe meinen. Doch es ist so entkrampfend zu wissen, dass wir damit nicht jede Person ansprechen und so wertvoll von Menschen mit einem anderen Schwerpunkt zu lernen.

Vielleicht ist das ein Grund, warum unsere Politiker im Moment so wenig Vertrauen genießen: Denn viele Politiker arbeiten nach meiner Beobachtung fast ausschließlich auf der sozialen Ebene ohne die anderen Dimensionen in ihre Kalkulation mit ein zu beziehen. Das ist auch insofern richtig, als dass der Politiker auf politischer Ebene handelt und z.B. kein kein Psychotherapeut oder Arzt ist. Doch wenn in der Politik suggeriert wird, dass Politiker und Parteien die Probleme der Bürger lösen möchten ist dieser Anspruch zu hoch. Politik kann die Rahmenbedingungen verändern, so dass Bürger eine bessere Grundlage für die Gestaltung ihres Lebens finden können. Doch wenn die Qualität von Leben auch von der Mentalität und Einstellung des Einzelnen abhängt, muss auch der Bürger seinen Teil zu einem gelingenden Leben beitragen. Da es für gute Wahlergebnisse aber eher kontraproduktiv ist, zu kommunizieren, dass ein Teil der Lösung immer beim Bürger selbst liegt, wird dieser Aspekt in der Wahlwerbung gerne einmal weggelassen.

Doch das nur ein kleiner Exkurs in die Politik.

Dieser Blog kann sein Ziel nicht genauer spezifizieren, als er es in seinen Kernwerten formuliert hat. Denn was ein gutes Leben ist, kann nur jeder für sich selbst formulieren. Gleichzeitig wäre eine Formulierung die gutes Leben nur unter dem Gesichtspunkt einer der Dimensionen sieht, zu einseitig um die vielen unterschiedlichen Vorstellungen von gutem Leben in ein großes Ganzes zu integrieren. Sie wäre nur radikal in eine Richtung. Doch dieser Blog ist radikal ausgeglichen.

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